7-tägige Kreuzfahrt von Bremerhaven nach Island: Route, Highlights und Tipps
Gliederung:
– Route und Ablauf in 7 Tagen
– Hafen-Highlights und Ausflüge
– Reisezeit, Wetter, Tageslicht & Seegang
– Planung, Budget, Packliste & Formalitäten
– Fazit & Entscheidungshilfe
Route im Überblick: Von Bremerhaven nach Island in 7 Tagen
Eine Woche klingt kurz für den Sprung in den hohen Norden – und trotzdem ist eine 7‑tägige Kreuzfahrt von Bremerhaven nach Island realistisch, wenn man den Ablauf klug plant. Zur Orientierung: Die Distanz Bremerhaven–Reykjavík beträgt etwa 1.080 Seemeilen. Bei Reisegeschwindigkeiten zwischen 17 und 20 Knoten sind je nach Wetter 2 bis 3 Seetage nötig. Damit bleiben bei einem Einwegkurs (One‑Way) zwei bis drei volle Hafentage in Island. Eine straffe Rundreise zurück nach Bremerhaven ist in sieben Tagen meist nur mit weniger Stopps machbar. Entscheidend sind Saison, Windrichtung und ob die Route zusätzliche Inseln wie die Färöer oder die Hebriden ansteuert.
Zwei bewährte Grundmodelle haben sich etabliert:
– Option A: Einwegroute Bremerhaven → 2 Seetage → Ostisland (z. B. Fjordhafen) → Nordisland (Akureyri-Region) → Reykjavík bzw. Südwestisland → Ausschiffung.
– Option B: Kompakte Rundreise Bremerhaven → 1–2 Seetage → Reykjavík (ggf. mit Übernachtliegeplatz) → 2–3 Seetage zurück → Bremerhaven.
Was spricht wofür? Option A maximiert die Islandzeit. Ein denkbarer Ablauf: Tag 1 Abfahrt am Abend; Tag 2–3 Nordsee und Nordatlantik, Seetage mit Vorträgen, Ausblicken und vielleicht ersten Delfinsichtungen; Tag 4 Einfahrt in einen Ostfjord mit steilen Hängen und Wasserfällen; Tag 5 Nordisland, wo Wale und vulkanische Ebenen locken; Tag 6 Reykjavík oder ein Hafen auf der Halbinsel Reykjanes; Tag 7 Ausschiffung und Rückflug. Diese Variante ist ideal, wenn du deine Reise flexibel mit einem Rückflug kombinieren kannst und wirklich mehrere Facetten Islands ansteuern willst.
Option B richtet sich an Reisende, die unbedingt in Bremerhaven starten und enden möchten oder einen ersten „Nordkurs‑Kostprobe“-Trip planen. Der Fokus liegt auf dem Erlebnis Überfahrt plus einem intensiven Aufenthalt im Großraum Reykjavík. Bei ruhigem Wetter kann ein zusätzlicher kurzer Stopp (zum Beispiel in den Westfjorden oder auf einer Insel vor der Südküste) möglich sein, doch sollte man das nicht als gesetzt einplanen. Daten helfen beim Erwartungsmanagement: Selbst große Schiffe passen ihren Kurs konservativ an Strömungen, Tiefdruckgebiete und Hafenfenster an. Wer flexibel bleibt, profitiert – gerade weil Islandhäfen wetterbedingt gelegentlich kurzfristig rotieren. So wird aus sieben Tagen keine Hektik, sondern eine klare, gut strukturierte Reise mit realistischen Etappen.
Hafen-Highlights und Landausflüge: Naturdrama trifft nordische Gelassenheit
Island belohnt jeden Stopp mit starken Kontrasten: Basaltsäulen am Meer, leuchtende Moosteppiche, dampfende Felder und Fjorde, die aussehen, als hätte jemand die Berge mit einem Messer aufgeschnitten. Wer in Reykjavík oder im Südwesten anlegt, erreicht in Tagesentfernungen markante Klassiker: tektonische Spalten, sprudelnde Heißquellenfelder und Wasserfälle mit Fallhöhen jenseits von 30 Metern. In und um Reykjavík lohnt zudem ein Stadtspaziergang zwischen bunten Wellblechhäusern, Hafenbecken und moderner Architektur. Wer baden möchte, findet mehrere geothermische Spas in Reichweite – ein komfortabler Abschluss nach windigen Stunden an der Küste.
Der Norden überrascht mit Lebendigkeit: Von einem Hafen in der Akureyri‑Region bist du in etwa 45–60 Minuten im Mývatn‑Gebiet. Dort wechseln Pseudokrater, Lavafelder und milchig-blaue Geothermalzonen im Minutentakt. Auf dem Weg liegt ein Wasserfall, der für viele einer der fotogensten des Landes ist. Walbeobachtungstouren dauern meist 2,5 bis 3 Stunden; im Sommer sind Sichtungen von Zwerg- und Buckelwalen keine Seltenheit, garantieren lässt es sich dennoch nie. Ein Fernglas und warme Mützen sind Gold wert, denn Windchill auf dem offenen Meer überrascht auch im Juli.
Ostisland wirkt stiller, fast introspektiv: Ein schmales Tal, Holzveranden, eine kleine Kirche und ringsum Hänge, die im Sommer mit Lupinen leuchten. Von dort sind kurze Wanderungen zu Kaskaden und Aussichtspunkten möglich; für längere Touren Richtung Hochland braucht es allerdings Allrad und erfahrene Guides. In den Westfjorden dominiert das Gefühl von Abgeschnittenheit. Der Weg zu einem fächerförmigen Riesenwasserfall führt über Schotter, belohnt aber mit einer der eindrucksvollsten Kulissen Islands. Bei ruhigem Wetter sind auch Kajaktouren in spiegelglatten Buchten ein stilles Erlebnis – Seevögel inklusive.
Praktische Hinweise zu Ausflügen und Zeiten:
– Entfernungen: Reykjavík–große Wasserfallroute ca. 230–270 km gesamt; Akureyri–Mývatn hin und zurück ca. 180 km.
– Dauer: Stadtrundgang 2–3 h; Geothermal‑Rundkurs 6–8 h; Walbeobachtung 2,5–3 h; Fjord‑Panoramatour 3–5 h.
– Kostenrahmen (Richtwerte): Walbeobachtung 80–120 EUR; Ganztagesbus 70–140 EUR; Geothermalbad 20–60 EUR; Kajak 60–100 EUR.
Wer eigenständig loszieht, achtet auf Straßenzustand (im Sommer meist asphaltiert, Nebenwege oft Schotter) und Tageslicht. Für Fotografie lohnt ein früher Start oder der späte Abend, wenn das Licht weich wird und Fjorde in Pastelltöne taucht. Und wenn das Wetter kippt? Kein Drama: Häufig gibt es im Umkreis Alternativziele, die windgeschützter liegen – das Spiel mit Mikroklimata ist in Island Teil des Charmes.
Reisezeit, Wetter, Tageslicht & Seegang: Was die Woche formt
Die Wahl des Monats bestimmt, wie sich deine 7 Tage anfühlen. In Reykjavík liegen die Durchschnittstemperaturen im Mai bei rund 6–9 °C, im Juli bei 10–13 °C und im September bei 7–10 °C. Im Norden sind Werte oft ein bis zwei Grad niedriger, dafür gibt es an klaren Tagen sehr scharfes Licht. Niederschläge verteilen sich über das Jahr; rechne im Sommer mit 10–15 Tagen pro Monat mit messbarem Regen, meist in Schauern. Tageslicht ist der Joker: Im Juni leuchtet der Himmel fast rund um die Uhr, im Mai sind 17–20 Stunden normal, im September 12–13 Stunden. Das erweitert Spielräume für Ausflüge, verlangt aber Sonnenbrille und Schlafmaske.
Seegang? Auf dem Papier lässt sich viel berechnen, in der Praxis entscheidet das Wetterfenster. Sommermonate bieten statistisch ruhigere Abschnitte, doch auch dann sind 1–3 Meter Dünung möglich, gelegentlich mehr. Der Nordatlantik ist ehrlich, aber fair: Vorausschauende Routenplanung und die Erfahrung nautischer Crews sorgen dafür, dass Häfen sicher angelaufen oder gegen alternative Ziele getauscht werden. Hilfreiche Anhaltspunkte: Bei Windstärke 5–6 (Beaufort) reagieren empfindliche Mägen bereits. Wer vorbeugen will, wählt nach Möglichkeit eine Kabine mittschiffs auf einem niedrigen Deck, isst leicht, meidet Alkohol vor dem Auslaufen und blickt viel auf den Horizont. Medikamente gegen Reisekrankheit bitte nur nach Rücksprache mit medizinischem Personal nutzen.
Jahreszeitliche Entscheidungshilfe:
– Mai–Juni: Viel Tageslicht, häufig blühende Lupinen, noch frische Luft; Walchancen steigen, Hochlandpisten meist noch geschlossen.
– Juli–August: Milde Temperaturen, offene Straßen, lebhafte Tierwelt; beliebte Zeit mit entsprechend höherer Nachfrage.
– September: Goldene Töne, ruhiger an Land, Tageslicht noch ausreichend; erste Stürme können durchziehen, Nordlichter theoretisch wieder möglich – allerdings kaum mit vielen Hafennächten kombinierbar.
– Winterrouten sind in 7 Tagen ab Bremerhaven selten sinnvoll; falls doch, muss man mit deutlich mehr Seetagen und wetterbedingten Änderungen rechnen.
Noch ein Realitätscheck zu Nordlichtern: Sie zeigen sich in dunklen, klaren Nächten zwischen etwa September und April. In der hellen Jahreszeit sind sie praktisch nicht sichtbar; wer das Polarlicht priorisiert, plant gezielt in die dunkle Saison und akzeptiert dafür mehr Wetterrisiko. Und egal wann du fährst: Schichtenlook, wasserdichte Schicht obenauf und winddichte Kopfbedeckung machen den Unterschied zwischen „durchgehalten“ und „genossen“.
Planung, Budget, Packliste & Formalitäten: So wird’s entspannt
Gute Vorbereitung nimmt Druck aus einer dichten 7‑Tage‑Route. Beginne mit der Kabinenwahl: Wer empfindlich auf Bewegung reagiert, profitiert von einer mittschiffs gelegenen Kabine auf einem unteren Deck. Außen- oder Balkonkabinen liefern dafür stundenlanges Fjordkino – in hellen Sommernächten ein stilles Spektakel. Beim Termin gilt: Frühe Buchung sichert meist die größere Auswahl; flexible Reisende beobachten Preiswellen und greifen zu, wenn Route und Kabinentyp passen. Denke auch an An‑ und Abreise: Ein One‑Way‑Konzept funktioniert besonders rund, wenn du den Rückflug ab Reykjavík oder Akureyri frühzeitig einplanst und Transfers festzurrst.
Packliste, die sich in Island bewährt hat:
– Mehrlagig: Funktionsunterwäsche, wärmender Midlayer, wind‑/wasserdichte Hardshell.
– Füße & Hände: Knöchelhohe, rutschfeste Wanderschuhe, dünne und dicke Socken, Handschuhe, Mütze, Schlauchschal.
– Nützliches: Tagesrucksack mit Regenhülle, Drybag für Kamera, Powerbank, Sonnenbrille, wiederbefüllbare Trinkflasche, kleine Reiseapotheke (inkl. Pflaster, persönlicher Medikamente).
– Technik & Strom: 230 V, Steckdosen vom Typ F sind in Island üblich; Adapter brauchst du aus Deutschland in der Regel nicht.
– Auf See: Leichte Snacks, Ingwerbonbons, ggf. ärztlich empfohlene Mittel gegen Reisekrankheit.
Budget realistisch kalkulieren: Eine 7‑tägige Abfahrt ab einem deutschen Hafen variiert stark nach Saison, Route und Kabinentyp. Als grobe Orientierung liegen Einstiegspreise p. P. in der Doppelkabine häufig im vierstelligen Bereich in der Hochsaison; in Randzeiten kann es spürbar günstiger sein. Landausflüge schlagen typischerweise mit 60–150 EUR pro Person und Tag zu Buche, eigenständiges Erkunden ist oft preiswerter. Vor Ort wird in ISK (Isländische Krone) gezahlt, praktisch überall sind Karten gängig, teils kontaktlos. Beispiele für Preise an Land: Kaffee 500–900 ISK, Tagessuppe 1.700–2.800 ISK, einfaches Mittag 2.500–4.000 ISK. Trinkgeld ist keine Pflicht, runder Betrag am Ende wird aber geschätzt.
Formalitäten & Konnektivität: Island gehört zum Schengenraum; EU-/EWR‑Bürger reisen in der Regel mit Personalausweis oder Reisepass, andere Nationalitäten prüfen die Einreisebedingungen ihrer Behörden. Reiseversicherung inklusive medizinischer Absicherung ist empfehlenswert. Für Mobilfunk gilt in vielen Tarifen „Roam like at home“ innerhalb des EWR, Island inbegriffen – bitte Fair‑Use‑Grenzen beachten. Auf See ist Mobilfunk teuer; aktiviere Flugmodus, nutze Bord‑WLAN nur nach Kostencheck oder sichere dir Cafés mit kostenfreiem Internet im Hafen.
Nachhaltig reisen heißt, die Natur nicht zu überfordern: Bleibe auf markierten Wegen, halte Abstand zu Tieren, nimm den Müll wieder mit, fülle deine Flasche statt Einweg zu kaufen und entscheide dich für kleine, lokal geführte Touren. So bleibt die Landschaft so ursprünglich, wie sie dich empfängt – salzig, rau und großartig im wahrsten Sinne des Wortes.
Fazit & Entscheidungshilfe: Sieben Tage, klar geplant – viel erlebt
Eine 7‑tägige Kreuzfahrt von Bremerhaven nach Island ist kein Sprint, sondern eine präzise gesetzte Linie: wenige, starke Stopps und dazwischen Meeresweite, die Kopf und Kamera ordnet. Wer das Maximum an Islandzeit will, wählt eine Einwegroute mit Ausschiffung im Südwesten und Rückflug. Das bringt zwei bis drei intensive Landtage und genug Raum für Vulkangebirge, Walreviere und warme Quellen. Wer hingegen Start und Ziel in Deutschland schätzt, reist mit einer kompakten Rundreise, die Überfahrtserlebnis und einen ausgedehnten Stopp im Großraum Reykjavík kombiniert – ein guter Einstieg, um den Norden kennenzulernen.
Für wen lohnt sich was?
– Naturfokussierte Fotofans: Einwegroute mit Ost‑ und Nordisland für Kontraste aus Basalt, Wasserfällen und weiten Ebenen.
– Familien mit Kindern: Kürzere Busfahrten, freie Spielräume und geothermische Bäder im Südwesten; Rundreise mit langem Reykjavík‑Aufenthalt wirkt oft entspannter.
– Seegang‑Sensible: Sommertermine, Kabine mittschiffs unten, flexible Pläne; an Bord lieber Vorträge und Aussichtsdecks als Marathon‑Ausflüge.
– Aktive Entdecker: Walbeobachtung, Küstenwanderungen, Kajak bei ruhigem Wasser; rechtzeitig reservieren und Pufferzeiten lassen.
Wichtiger als jedes Detail ist eine ehrliche Erwartung: Der Nordatlantik schreibt mit – und genau das macht die Reise besonders. Wer Witterung als Teil des Erlebnisses akzeptiert, kommt mit Momenten zurück, die nachhallen: Dünungsrollen gegen den Bug, ein Wasserfall im Seitenlicht, Schwefeldampf im Wind und Stille im Fjord, wenn das Schiff am frühen Morgen anlegt. Packe klug, plane mit klaren Prioritäten und lass Raum für Spontanes. Dann wird aus sieben Tagen eine Reise, die dich noch lange begleitet – nicht, weil sie alles konnte, sondern weil sie genau das Richtige zur richtigen Zeit bot.